Vergiss die Trauer nicht...

Vergiss die Träume nicht,

wenn die Nacht

wieder über dich hereinbricht

und die Dunkelheit

dich wieder gefangen zu nehmen droht.

Noch

ist nicht alles verloren.

Deine Träume und deine Sehnsüchte

tragen Bilder der Hoffnung in sich.

Deine Seele weiß,

dass in der Tiefe Heilung schlummert

und bald in dir

ein neuer Tag erwacht.

Verfasser unbekannt


 

Du hast ein Recht auf deine Trauer

Du darfst Dich Deinen Verlusten widmen,

musst nicht verdrngen, was Dich beschwert.

Du hast ein Recht, das abzutrauern, was Dich so tief enttuscht hat

und was Du nicht ndern kannst.

Du hast ein Recht auf Deine Trnen, auf Dein Schweigen,

auf Deine Ratlosigkeit, auf Deine innere und uere Abwesenheit.

Du musst nicht den Glcklichen spielen,

nicht ber den Dingen stehen.

Du hast ein Recht, die wegzuschicken, die Dich mit Gewalt aus Deiner Trauer

herausholen wollen,

weil Deine Trauer sie selbst bedroht.

Du hast ein Recht auf Deine Trauerzeit.

Du hast ein Recht, mit denen nicht reden zu wollen,

die Dir ein schlechtes Gewissen machen fr Deine Dunkelheit

und Deine Trauer.

Die mit Sprchen kommen und Dich mit diesen Sprchen unter Druck zu setzen

versuchen.

Du hast ein Recht auf Deine Trauerstille.

Du hast das Recht, Dich zu wehren, gegen die, die Dir sagen,

was Du fhlen darfst und was nicht,

die Dich nicht als einzelnen, sondern als Fall behandeln

und sich innerlich nicht wirklich mit Dir einlassen.

Vielleicht macht Dich nichts so menschlich wie Deine Trauer.

ber sie kann ein Trauernder sich Dir nhern und

auf Verstndnis hoffen.

Trauern zu knnen ist eine Gabe.

Lass Dir das Recht auf Deine Trauer nicht nehmen.

Du hast das Recht, Deine dunklen Stunden zu durchleben und

Dich nicht durch billige Sprche aus ihnen herauslocken zu lassen.

Schon der Versuch ist eine Entwrdigung Deiner inneren Wirklichkeit. Du bist

auch Deine Dunkelheit.

Die Abgrnde und Widersprche gehren auch zu Dir.

Die Schatten geben Deinem Leben Tiefe und Menschlichkeit.

Wer mit Dir in Beziehung tritt, sollte wissen, dass diese Seite zu Dir gehrt.

Wer sie in Dir ablehnt, hat nicht das Recht, sich Deinen Freund und Deine

Freundin zu nennen.

Manche geben Dir nicht das Recht auf diese Seite in Dir.

Sie erwarten, dass Du sie unterschlgst und das Glck vorspielst.

Vielleicht haben sie weniger Angst fr Dich, als fr sich selbst,

weil sie durch Dich an das Unoffene in sich selbst geraten.

Wenn sie darum Dir helfen wollen, geschieht es nicht,

um Dir zu helfen, sondern sich selbst............"

(Ulrich Schaffer)


 

Schritt für Schritt

Der alte Straßenkehrer Beppo verrät seiner Freundin Momo ein

Geheimnis. Es ist so: Manchmal hat man eine sehr lange Straße vor sich.

Man denkt, die ist so schrecklich lang, das kann man niemals schaffen,

denkt man. Und dann fängt man an, sich zu eilen. Und man eilt sich

immer mehr. Jedesmal, wenn man aufblickt, sieht man, dass es gar nicht

weniger wird, was noch vor einem liegt. Und man strengt sich noch mehr

an, man kriegt es mit der Angst, und zum Schluss ist man ganz außer

Puste und kann nicht mehr. Und die Straße liegt immer noch vor einem.

So darf man es nicht machen. Man darf nie an die ganze Straße auf

einmal denken, verstehst du? Man muss nur an den nächsten Schritt

denken, an den nächsten Atemzug, an den nächsten Besenstrich. Und

immer wieder nur an den nächsten. Dann macht es Freude, das ist

wichtig, dann macht man eine Sache gut. Und so soll es sein. Auf einmal

merkt man, dass man Schritt fr Schritt die ganze Straße gemacht hat.

Man hat gar nicht gemerkt wie, und man ist nicht außer Puste. Das ist

wichtig.

Michael Ende